Adhoc-Notfallkommunikation für Einsatzkräfte

Forschungsprojekt ANKOMMEN – Adhoc-Notfall-KOMMunikation: ENtwicklung und Evaluierung

Motivation und Problemstellung

Bei Großbränden, Flutereignissen oder Industrieunfällen ist eine verlässliche Kommunikation für Feuerwehr, Rettungsdienste und weitere Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) entscheidend. Gerade in solchen Lagen kommt es jedoch immer wieder zu Ausfällen der Kommunikationsinfrastruktur: Mobilfunkbasisstationen werden beschädigt, Funklöcher verhindern die Versorgung ganzer Einsatzräume, Gebäude mit stark dämpfenden Materialien (Beton, Keller, Industriehallen) schirmen Funksignale ab.

Der heute genutzte BOS-Digitalfunk nach TETRA-Standard bietet robuste Sprachkommunikation, stößt aber bei wachsenden Anforderungen – etwa der Übertragung von Video, Sensordaten und Lagebildern in Echtzeit – an technische Grenzen. Gleichzeitig wird die Abschaltung des TETRA-Netzes in Erwägung gezogen, während breitbandige 4G/5G‑Netze gerade in Katastrophenszenarien oft nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind.

ANKOMMEN setzt genau hier an: Das Verbundprojekt entwickelt eine Notfallkommunikationslösung, die auch dort zuverlässig funktioniert, wo klassische Netze ausfallen – und die zugleich die Ergänzung von TETRA hin zu 5G‑basierten Mission Critical Services (MCX) vorbereitet.

Projektziele und Lösungsansatz

Ziel von ANKOMMEN ist die Entwicklung und Evaluierung einer integrierten Notfallkommunikation für Einsatzkräfte, die ad hoc verfügbar, sicher und modular auf unterschiedliche Einsatzszenarien anpassbar ist. Dazu werden bestehende Bausteine aus der 3GPP‑ und ETSI‑Standardisierung in einer Gesamtlösung zusammengeführt und praktisch erprobt.

Im Mittelpunkt stehen unter anderem:

  • Nomadische 5G‑Systeme auf Einsatzfahrzeugen und Drohnen, die vor Ort kurzfristig ein eigenes 5G‑Campusnetz für Sprache, Video und Daten aufbauen. 
  • Mission Critical Services (MCX) wie Push‑to‑Talk‑Sprachrufe, Videokommunikation und Datenübertragung mit QoS‑Garantien und Priorisierung für BOS‑Einsatzkräfte. 
  • 5G‑Sidelink / Device‑to‑Device‑Kommunikation, damit Endgeräte auch ohne Netzinfrastruktur direkt miteinander kommunizieren können – analog zum TETRA‑DMO, inklusive Relaying über mobile Knoten (z. B. Drohnen). 
  • Anbindung an remote 5G‑Kernnetze über Satellit (5G‑NTN), um Leitstellen und zentrale Dienste auch dann zu erreichen, wenn vor Ort keine Anbindung an terrestrische Netze möglich ist. 
  • Roaming und Koexistenz mit bestehenden 5G‑Campusnetzen in Industrieparks und kritischen Infrastrukturen, sodass Einsatzkräfte vorhandene private Netze sicher mitnutzen können, ohne deren Betrieb zu stören. 

Das Fraunhofer IOSB‑INA übernimmt insbesondere den Aufbau eines nomadischen 5G‑Campusnetzes, die Integration und Belastungstests der MCX‑Funktionalität, die Entwicklung und Erprobung von 5G‑Sidelink‑Kommunikation (D2D/U2U) sowie die Untersuchung von Satelliten‑Backhaul‑Lösungen. In Feldtests, u. a. mit dem Feuerwehr‑Ausbildungszentrum Kreis Lippe, werden die Ansätze unter realitätsnahen Einsatzbedingungen bewertet.

Projektpartner

Gefördert durch

Das Projekt wird mit den Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Förderrichtlinie „Anwendungen in der zivilen Sicherheit“ des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit – Gemeinsam für ein sicheres Leben in einer resilienten Gesellschaft“ gefördert.

Projekttitel

Adhoc-Notfall-KOMMunikation: ENtwicklung und Evaluierung

Akronym

ANKOMMEN

Laufzeit

36 Monate, 01.12.2025 bis 30.11.2028

Fördervolumen

ca. 2 Mio. €

Förderung

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Programm „Forschung für die zivile Sicherheit – Gemeinsam für ein sicheres Leben in einer resilienten Gesellschaft“, Richtlinie „Anwendungen in der zivilen Sicherheit“

Kooperationspartner

NXP Semiconductors Germany GmbH, Hamburg (Verbundkoordination)
HMF Smart Solutions GmbH, Bad Münder
Fraunhofer IOSB‑INA, Lemgo
Technische Universität Dresden, Deutsche Telekom Chair of Communication Networks

Assoziierte Partner

Kreis Lippe – Feuerwehr‑Ausbildungszentrum, Lemgo
Bundesanstalt für den Digitalfunk der BOS (BDBOS), Berlin
Public Safety Communication Europe (PSCE), Brüssel

Projektleiter (IOSB‑INA)

Timo Siekmann

Ziele

Entwicklung und Erprobung einer integrierten, ad‑hoc einsetzbaren Notfallkommunikation für Einsatzkräfte auf Basis nomadischer 5G‑Campusnetze, MCX‑Diensten, 5G‑Sidelink, Drohnennetzwerken und Satelliten‑Backhaul.