Industrie, Forschung und Verbände diskutierten in Lemgo den Einsatz von KI-Agenten entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette.
Am 9. Juni 2026 fand im CENTRUM INDUSTRIAL IT (CIIT) auf dem Innovation Campus Lemgo die Veranstaltung „Smart Agents for Smart Factories“ statt. SmartFactoryOWL, die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL), das Fraunhofer IOSB-INA und das Technologie-Netzwerk it’s OWL brachten Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Forschung, Technologie und Verbänden zusammen.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI-Agenten, Multi-Agenten-Systeme und Large Language Models künftig über klassische Chat-Anwendungen hinaus in industriellen Prozessen eingesetzt werden können. Die Veranstaltung zeigte: Das Potenzial von KI liegt insbesondere in der durchgängigen Verknüpfung von Planung, Engineering und Produktion.
KI-Agenten als Bindeglied zwischen Planung und Shopfloor
Die Beiträge und Diskussionen machten deutlich, dass KI-Agenten künftig komplexe Aufgaben in industriellen Wertschöpfungsketten unterstützen und koordinieren können. Anders als reine Assistenzsysteme können sie Informationen aus unterschiedlichen Quellen verarbeiten, Aufgaben strukturiert vorbereiten und mit anderen digitalen Systemen interagieren.
Besonders im Fokus stand der Einsatz von Multi-Agenten-Systemen. Diese ermöglichen es, spezialisierte Agenten für verschiedene Aufgabenbereiche einzusetzen und ihre Zusammenarbeit zu koordinieren – beispielsweise zwischen Produktionsplanung, Instandhaltung, Qualitätsmanagement und Shopfloor. Damit können Prozesse schneller auf Veränderungen reagieren und Entscheidungen besser datenbasiert vorbereitet werden.
Als zentrale Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz wurden zuverlässige Daten, interoperable Schnittstellen, klare Verantwortlichkeiten sowie Sicherheits- und Governance-Konzepte hervorgehoben. Gerade bei LLM-basierten Anwendungen sind Transparenz, Nachvollziehbarkeit und die Einbindung menschlicher Expertise entscheidend.
Austausch zwischen Forschung, Industrie und Technologiepartnern
Das Programm verband fachliche Impulse mit interaktiven Austauschformaten. Keynotes aus Industrie und Technologie beleuchteten aktuelle Entwicklungen und Anwendungsperspektiven. In der Poster-Session präsentierten Forschende, unter anderem vom Institut Industrial IT (inIT), ihre Arbeiten in kompakten Pitches und gaben Einblicke in aktuelle Forschungsansätze rund um KI in der Produktion.
Das World Café bot den Teilnehmenden Gelegenheit, konkrete Fragestellungen, Anforderungen und Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren. Dabei wurde deutlich, dass die industrielle Einführung von KI-Agenten nicht allein eine technologische Aufgabe ist. Ebenso wichtig sind gemeinsame Standards, praxisnahe Erprobungsräume und ein enger Austausch zwischen Anwendern, Entwicklern und Forschungseinrichtungen.
Die Paneldiskussion, an der unter anderem Dr. Christian Temath, Geschäftsführer von KI.NRW, beteiligt war, ergänzte die Perspektiven aus Forschung und Anwendung. Sie unterstrich die Bedeutung von Kooperationen, Transferstrukturen und Qualifizierung für die nachhaltige Nutzung von KI in der Industrie.
Sichtbares Engagement und neue Netzwerke
Das Engagement der beteiligten Unternehmen, Verbände und Forschungspartner prägte die Veranstaltung. In Vorträgen, Pitches, Diskussionen und interaktiven Formaten wurden sowohl technologische Möglichkeiten als auch konkrete Anforderungen aus der industriellen Praxis eingebracht.
Die Gespräche eröffneten neue Ansatzpunkte für Kooperationen rund um die Entwicklung, Erprobung und Integration agentenbasierter KI-Lösungen. Insbesondere der Austausch zwischen industriellen Anwendern, Technologieanbietern und wissenschaftlichen Einrichtungen stärkte das Netzwerk am Innovation Campus Lemgo.
Den Abschluss bildete eine LabTour durch die SmartFactoryOWL. Sie machte anschaulich, wie Forschungsergebnisse in einer realitätsnahen Produktionsumgebung getestet und für industrielle Anwendungen weiterentwickelt werden können.
Mit „Smart Agents for Smart Factories“ wurde ein wichtiger Impuls für die Weiterentwicklung intelligenter, vernetzter und menschenzentrierter Produktionssysteme gesetzt. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass KI-Agenten ein bedeutender Baustein für die industrielle Digitalisierung sein können – vorausgesetzt, Technologie, Daten, Prozesse und Partner werden von Beginn an ganzheitlich zusammengedacht.
Institutsteil für industrielle Automation INA